Ailurophobie
(griech. ailuros "Katze", phobia "Angst"; auch Aelurophobie)
Unter Aelurophobie versteht man die Angst vor Katzen, die einen zwanghaften Wunsch nach Vermeidung einer Begegnung und insbesondere eines Kontaktes mit Katzen auslöst. Seltener verwendete Begriffe für diese Verhaltensweise sind Elurophobie, Felinophobie, Galeophobie und Gatophobie.
Im Unterschied zu anderen weit verbreiteten Tierphobien wie
Arachnophobie (Angst vor Spinnen) oder
Kynophobie (Angst vor Hunden) ist Ailurophobie nicht allein aus Ekel oder Furcht vor Bissen erklärbar. Sie weist eine Reihe von individuellen Eigenarten auf. Sie kann sich auf Katzen überhaupt beziehen oder nur auf schwarze, graue bzw. nur solche mit bestimmten Merkmalen.

Eine Fallstudie dazu lieferte der ungarische Psychoanalytiker
Nandor Fodor. Fodor geht dort u.a. auch auf die Katzenphobie eines hohen britischen Generals -
Frederick Sleigh Earl Roberts of Kandahar and Pretoria - ein: „Während einer Schlacht in Afghanistan blieb General Roberts ... ruhig beim Hagel der Geschosse und Granaten. Plötzlich begann er zu zittern, und dieser Mann, der hundert Schlachten gesehen, wies mit verzweifelten Gesten auf eine in der Nähe stehende Mauer. Seine Offiziere sahen sich um und entdeckten eine halbverhungerte Katze. Als man sie verjagte, gewann Lord Roberts wieder seine Selbstbeherrschung.“ Diese unerklärliche Panik vor Katzen, die fast ausschliesslich bei Männern zu finden ist, wurde nicht ganz zu Unrecht als Angst vor dem weiblichen Element, für das die unberechenbare und geheimnisvolle Katze steht, interpretiert.

Wenn eine Katze den Raum betritt und sich umschaut, bemerkt sie, dass verschiedene Leute sie anstarren. Das sind die Katzenfreunde, die ihren Blick auf die Katze richten, weil sie Gefallen an ihr finden. In der Terminologie der Katze bedeutet das Angestarrt-Werden eine zumindest schwache Bedrohung. Kindern bringt man manchmal bei, dass es "unhöflich ist, jemanden anzustarren", aber Katzenfreunde vergessen diese Regel oft, wenn sie eine herannahende Katze anschauen.
Anstatt nur einen Blick auf sie zu werfen, was immer akzeptabel ist, starren sie die Katze fortwährend in einer Weise an, die dazu führt, dass das Tier sich unbehaglich fühlt. Die einzig anwesende Person, die das nicht tut, ist der Katzenfeind, der fortschaut und sich ganz ruhig verhält, weil er versucht, die Aufmerksamkeit des gefürchteten Tieres nicht auf sich zu lenken. Aber ein solches Verhalten hat genau die entgegengesetzte Wirkung. Die Katze, die nach einem Schoß Ausschau hält, auf dem sie in Ruhe sitzen kann, geht schnurstracks auf diese Person zu, die sich nicht bewegt, die nicht mit der Hand winkt, die keine schrillen Bemerkungen macht und die, vor allem, sie nicht anstarrt. Die Katze zeigt damit deutlich ihre Vorliebe für eine zurückhaltende Körpersprache des Menschen.
(Aus Catwatching von Desmond Morris)