Bier
Bier ist ein
alkohol- und
kohlensäurehaltiges Getränk, das durch
Gärung aus den Grundzutaten
Wasser,
Malz und
Hopfen gewonnen wird.
Grundsätzlich versteht man unter Bier jedes alkoholhaltige Getränk, das auf Basis von verzuckerter
Stärke hergestellt wird, ohne ein
Destillationsverfahren anzuwenden. Die Abgrenzung gegenüber
Wein besteht darin, dass dazu
Zucker aus pflanzlichen oder tierischen Quellen (z.B. Honig) verwendet wird, während der Ausgangsstoff für Bier immer Stärke ist.

Bier im alten Ägypten
Die frühesten Nachweise für Bier gibt es aus dem
altmesopotamischen Raum. Im
Gilgamesch-Epos lernt
Enkidu, ein noch sehr tierähnlicher Urmensch, was den Menschen ausmacht: "Iss nun das Brot, o Endiku, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch!" Nach weiteren
sieben Bechern, Waschungen und Salbungen war Endiku, so das Gilgamesch-Epos, "einem Menschenwesen gleich". Gilgamesch selber stärkte sich vor seinen Heldentaten mit
sieben Tonkrügen Bier.
Die
Ägypter ließen halbfertig gebackenes Brot mit Wasser vergären und bekamen so eine Art Bier. Sklaven, Arbeiter, Soldaten und Pyramidenbauer wurden mit Bier bezahlt. Auch der
Pharao, sein Hofstaat, ja sogar der Priester, betranken sich bis zur heiligen Bewusstlosigkeit.
König
Hammurapi erliess erste strenge Gesetze und Vorschriften rund um das Bier und die Gaststätten. Diese Gesetzes-Tafel aus Stein steht heute im
Louvre in Paris.
Bei den
Römern hieß das Bier Cervisia, nach der Göttin der Feldfrüchte,
Ceres. Die
Kelten kannten Bier unter dem Namen Korma.
Die Bierzutaten sind Wasser, Malz und Hopfen und Hefe.
Hopfen
(botanisch Humulus) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der
Hanfgewächse. Alle Arten von Hopfen sind schnellwachsende
Kletterpflanzen, die sich im Uhrzeigersinn winden und in der
nördlichen Hemisphäre vorkommen.
Der Hopfen hat sich in der Bierbereitung aufgrund seiner bakteriostatischen Wirkung gegenüber allen anderen Gewürzen durchgesetzt.
Als es noch keine Kühlung gab, wussten die Braumeister aus Erfahrung, dass durch die reichliche Zugabe von Hopfen die Haltbarkeit des Bieres erhöht wird.

Louis Pasteur
Erst
Louis Pasteur entdeckte die Mitwirkung von Mikroorganismen an der Gärung und lieferte 1876 in seinen "
Études sur la Bière" den Beweis dafür, dass mikroskopisch kleine Organismen das Bier sauer machen.
Heute steht die Eigenschaft des Hopfens, Bier in Aroma und Geschmack zu charakterisieren, im Vordergrund.

Gerstenkörner
Malz
Für Bier wird heute vorwiegend
Gerste verwendet. Das hat mehrere, teils historische Gründe:
- Gerste wächst auch auf schlechten Böden, die für Weizen ungeeignet sind, zudem ist sie zum Backen kaum geeignet.
- Gerste verfügt über eine stabile Kornhülle (Spelze), die beim Läutern (Trennen der Bierwürze von den festen Bestandteilen nach dem Maischen) als natürliches Filterbett dient
- Gerste hat einen ausgeprägten, kernigen Eigengeschmack, der dem Bier einen "Körper" gibt.
Zunächst wird das Getreide für ein bis zwei Tage unter Wasser gesetzt. Dadurch beginnt es zu keimen.
Anschließend wird es in
Keimkästen bis zu einer Woche konstant befeuchtet, gelüftet und gewendet, um eine möglichst gleichmäßige
Keimung zu erzielen. Im Mehlkörper (Endosperm) werden dadurch verstärkt
Enzyme zum
Eiweißabbau (
Proteinasen),
Stärkeabbau (
Amylasen), des Weiteren
Cellulasen und Pentosanasen gebildet. Diese Enzyme führen die Reservestoffe des Mehlkörpers in lösliche Stoffe über, die dem Keimling zum Wachstum dienen. Außerdem wird bereits ein Teil der Stärke in kleinere Moleküle (Zweifachzucker, Disaccharid,
Maltose) zerlegt.
Nach ca. 5–7 Tagen wird die Keimung durch Trocknen (
Darren) beendet, der heraus gewachsene Keimling entfernt. Durch die Dauer und Temperatur der Trocknung wird die spätere Bierfarbe beeinflusst. Das Malz ist danach lagerfähig. Für die Weiterverwendung wird es
geschrotet oder gemahlen.
Je nach Herstellungsprozess erzielt man mit unterschiedlichen Malzen unterschiedliche Farbstärken im fertigen Bier. Die Färbekraft von Malzen wird mit der Einheit
EBC angegeben.

Wasser
Wasser (H
2O) ist eine chemische Verbindung aus den Elementen
Sauerstoff (O) und
Wasserstoff (H).
Brauereien entstanden aus Tradition an guten, ergiebigen Quellen und Bächen.
Wasser enthält je nach Herkunft (
Oberflächen-,
Grund- oder
Quellwasser) unterschiedliche Mengen an Mineralstoffen und anderen Verbindungen.
Die häufigsten in Wasser gelöst enthaltenen
Mineralstoffe sind
Calcium-,
Magnesium-,
Carbonat-,
Hydrogencarbonat- und
Sulfat-Ionen. Deren Konzentrationen wird summarisch als
Härtegrad des Wassers angegeben.
Hartes Wasser bedeutet: Hohe Konzentration an Mineralstoffen; weiches Wasser bedeutet: niedrige Konzentration.
In der tschechischen Stadt
Pilsen findet man zum Beispiel sehr weiches Wasser, welches das helle
Pilsener entstehen lies.
Hefe
oder
Saccharomyces cerevisiae ist eine Knospungs-Hefe. Saccharomyces kommt aus dem griechischen und bedeutet „Zuckerpilz“. Dieser Pilz spatet Zucker in Alkohol und Kohlensäure. Zellen von Saccharomyces cerevisiae sind rund bis oval und haben einen Durchmesser von 5–10 µm. Sie vermehren sich durch den Prozess der
Knospung.
Saccharomyces cerevisiae ist eine "
obergärige Hefe", d.h. während der Gärung steigt die Hefe auf und schmimmt "oben".

Zu den obergärigen Bieren gehören z. B.:
Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte
Emil Christian Hansen, daß Hefe ein Mikroorganismus ist. Aufgrund seiner Arbeit gelang die Isolierung und Züchtung sortenreiner Kulturhefen in sogenannte
Reinzuchten. Dadurch wurde die Vergärung durch Auswahl des Hefestammes und Temperatur kontrollierbar. Er war der Entdecker der
Saccharomyces carlsbergensis, einer
untergärigen Hefe. Diese Hefe setzt sich mit der Zeit am Boden "unten" ab.
Untergärige Hefe benötigt im Gegensatz zu obergäriger Hefe eine niedrige Raumtemperatur (zwischen 4 und 9 °C) für die
Gärung. Aufgrund dessen können sich beim Bierbrauen weniger Pilze und Mikroben bilden, so dass sich das untergärig gebraute Bier gegenüber dem obergärigen durch eine höhere Haltbarkeit auszeichnet.
Zu den untergärigen Bieren gehören z. B.:

Video von der Herstellung bis zur Abfüllung
Herstellung
Das Malz wird mit Wasser im Maischebottich vermischt. Diese
Maische wird nun in zwei bis vier Stunden stufenweise auf verschiedene Temperaturen erhitzt. Bei bestimmten Temperaturen aktivieren sich
Enzyme, die im Malz enthalten sind. Die Enzyme bauen die
Stärke zu
Malzzucker und das
Eiweiß zu
Aminosäuren ab.
Im Läuterbottich wird die Maische dann von allen festen Bestandteilen des Malzes befreit.
Die geläuterte Würze fließt nun in die
Würzepfanne, wo sie ein bis zwei Stunden gekocht und etwas eingedampft wird. Dann wird der Hopfen zugegeben. Er gibt dem zukünftigen Bier den herb-bitteren Geschmack und das charakteristische Aroma. Der Hopfen fördert auch die Haltbarkeit des Bieres und hat einen günstigen Einfluss auf die "Blume" des Bieres. Die blanke Würze wird schnell auf rund 5 Grad heruntergekühlt und gelangt in den Gärkeller.
Hier kommt nun die Hefe hinzu, die sofort die
Gärung auslöst. Sie wandelt den Zucker in Alkohol und Kohlensäure um. Nach rund einer Woche ist die Hauptgärung beendet, die Hefe wird abgezogen.
Für das Jungbier kommt nun die Zeit des Reifens im Lagerkeller - je nach Biertyp bis zu drei Monaten. Im Lagerkeller geschieht dreierlei: Erstens rundet sich der Geschmack des Bieres ab, der noch vorhandene Restzucker wird fast vollständig abgebaut. Zweitens wird die Kohlensäure gebunden und gibt dem Jungbier seine Spritzigkeit. Drittens setzen sich die restliche Hefe und die Eiweißflocken auf dem Boden ab: Das Bier wird klar.
Zum Abschluss wird das fertige Bier noch einmal filtriert und kann in Flaschen oder Fässer abgefüllt werden.
Bei
bier.de ist das sehr anschaulich in einem
virtuellen Brauereirundgang erklärt.
Links