Asiatischer Marienkäfer - Harmonia axyridis
Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) ist ein Käfer aus der Familie der
Marienkäfer (Coccinellidae). Ursprünglich kommt die Art aus Japan und China und wurde zunächst in die USA und dann auch nach Europa zur
biologischen Schädlingsbekämpfung eingeführt.
Die Käfer erreichen eine Körperlänge von sechs bis acht Millimetern und werden fünf bis sieben Millimeter breit. Die Farbe der Deckflügel variiert zwischen hellgelb und dunkelrot. Die schwarzen Punkte können schwach ausgeprägt sein, komplett fehlen oder so ausgeprägt sein, dass es erscheint, als ob ein schwarzer Käfer rote Punkte trägt. Das Halsschild ist hell-gelblich und wird mittig durch eine schwarze „M“-Zeichnung charakterisiert.
Die Larven haben eine schwarz- bis blaugraue Grundfärbung und tragen am ganzen Körper mehr oder weniger lange, mit zwei oder drei Ästen versehene Borsten. Der Hinterleib ist auf den ersten fünf Segmenten beidseits des Rückens samt den dort befindlichen Borsten orange gefärbt. Zusätzlich befindet sich am vierten und fünften Hinterleibssegment näher am Rücken je beidseits eine weitere orange gefärbte Borste.
Der Asiatische Marienkäfer frisst große Mengen von
Blattläusen. Er kann pro Tag 100 bis 270 Stück davon vertilgen. Natürliche Feinde hat er wenige, da er wie die meisten Marienkäferarten bei Gefahr durch
Reflexbluten seine gelbe, bitter schmeckende und giftige
Hämolymphe absondern kann.
Ein Vogel, der einen solchen Marienkäfer gefressen hat, will keinen zweiten mehr. Und genau das ist auch der Grund, warum die Tiere zur Plage werden.
Die Plage - Ausbreitung
In den USA wurde der Asiatische Marienkäfer ('Multicolored Asian Lady Beetle') bereits 1916 freigesetzt; doch erst nach erneuten Einfuhren seit 1978 vermehrte er sich stark und ist inzwischen von den warmen Südstaaten bis nach Kanada vorgedrungen.
In Europa findet man ebenfalls eine nicht unerhebliche Zeitdifferenz zwischen dem Beginn der Nutzung als biologischen Schädlingsvernichter (1982) und der ersten Beobachtungen in der Natur (2001 in Belgien).
Die Möglichkeit einer (oder mehrerer) zufälligen Einführung(en) ist daher nicht auszuschließen.
Aber wahrscheinlich haben Gärtner aus den Niederlanden und Belgien die Tiere vor knapp 10 Jahren eingeführt.

Ausbreitung in Frankreich

Ausbreitung in England
In Frankreichs Norden uns Osten bereitet eine Invasion asiatischer Marienkäfern (Coccinelle asiatique) Umweltschützern und Wissenschaftlern Sorgen. Die Eindringlinge breiten sich seit einiger Zeit besonders rapide aus.
Schon 1982 wurde der vermeintliche Glücksbringer nach Frankreich aus China eingeführt:
Das nationale Forschungsinstitut für Landwirtschaft (INRA) erprobte seine Eignung als umweltfreundliche Läusevernichter - und gab grünes Licht. Die Firma
Biotop vermarktete die rote Gefahr zunächst ohne Bedenken. Im Jahr 2000 wurde der Handel eingestellt, als sich die unkontrollierbare Ausbreitung andeutete. Inzwischen ist Biotop mit einer Züchtung unter dem Namen
Coccibelle auf dem Markt, die nicht fliegen kann. „Zu spät!“, sagt ein Pariser Forscher: „Die Invasion gewinnt zusehends an Tempo.“
Seit 2004 ist der Käfer in immer größeren Teilen Frankreichs und im Süden Großbritanniens anzutreffen. Seit 2002 wird er teilweise in Massen in West-Deutschland gesichtet. Das genaue Verbreitungsgebiet ist noch nicht bekannt, aber der Asiatische Marienkäfer scheint mittlerweile auch in ganz Deutschland vorzukommen.
Weitere Populationen gibt es in Luxemburg, Belgien, Holland, Griechenland und Ägypten.
Die Plage - Überwintern
Im Herbst senden die Käfer Pheromone aus, durch die sie sich zu Schwärmen versammeln und zum Überwintern frostfreie, geschützte Orte suchen. Während ihrer Überwinterung fressen sie nicht, sondern verbrauchen das eingelagerte Körperfett.
In ihrer asiatischen Heimat suchen sie sonnenbeschienene Felswände aus weisem bis ockerfarbigem Stein, in deren Spalten sie sich verkriechen. Diese hellen reflektierenden Flächen sind für die Käfer über große Distanz wahrnehmbar.

In Amerika und Europa landen die Schwärme an warmen, sonnigen Herbst-Nachmittagen auf den nach west oder südwest gelegenen Teilen von hellen Gebäuden und suchen einen Weg ins Innere. Sie bevorzugen dabei weiße oder helle Häuser mit kontrastreichen vertikalen Linien.
In Scharen (bis tausende) krabbeln sie in Tür- und Fensterritzen, Häuserfassaden und Dächern.
Innerhalb der Wände, Fußböden, Dachböden, etc. suchen sie nach kühlen Plätzen, um den Winter zu verbringen.
Sie sammeln sich zu Trauben in den Ecken der Eingangstüren, Dachböden, Wandlücken und den Tür- oder Fensterrahmen.
Wenn es an ihrem Überwinterungsort zu warm wird, erwachen sie aus ihrer Starre und fliegen herum. Dabei verbrauchen sie ihre Energie und überleben den Winter meist nicht.
Im Frühjahr erwachen die Käfer und schwärmen wieder aus.
Man muß vor den Käfern keine Angst haben. Der Eindringling aus China überträgt keine Krankheit, beißt nicht und sticht nicht.
Abhilfe
Versiegeln Sie alle Öffnungen oder defekte Stellen an der Außenfassade mit
Silikon. Ersetzen oder reparieren Sie beschädigte Tür- und Fensterrahmen. Bringen Sie Insektengitter vor Dachüberhängen und Versorgungsrohren (Abluft, Entlüftung usw) an.
Eine Öffnung von weniger als 3 Millimetern genügt für ein Eindringen des Käfers.
Da der asiatische Marienkäfer trockene Umgebung mag, wäre eine weitere Methode, die Außenfassade an den Schwärmtagen feucht zu halten.
Insekti- oder
Pestizide bleiben meist wirkungslos, da der beste Zeitpunkt der Anwendung schwer zu treffen ist.
Nicht ausreichend erprobt aber immer wieder erwähnt werden
Kampfer,
Vanille oder
Lorbeerblätter in Fenstern.
Innerhalb des Hauses entfernen Sie die Käfer mit Kehrbesen und Schaufel und/oder Staubsauger.
Sie mit Insektiziden zu töten, zu zerdrücken oder sonstwie zu stressen veranlasst sie zur Absonderung ihrer
Hämolymphe, was zu orangen Flecken auf Wänden, Möbeln und Stoffen führt.
Eine der wirksamsten Methoden ist eine
Schwarzlicht-
Falle, die man sofort nach dem ersten Sichten der Käfer aufstellt.
Um die Tiere auf Dauer loszuwerden, friert man sie am besten ein.
Die Plage - Verdrängung
Stoppen kann sie niemand mehr, sagen Experten. Unklar ist, wie viel Platz sie auf Dauer für sich beansprucht und wie stark sie die einheimischen Käfer zurückdrängen.
Während der Mensch also nichts zu befürchten hat, müssen die europäischen
Marienkäfer ums Überleben kämpfen. Denn die asiatische Gattung ist besonders gefräßig und neigt zum Kannibalismus. Wenn ihr die Blattläuse ausgehen, frisst sie ihre Artgenossen und deren Larven. Dadurch würden immer mehr einheimische Arten verdrängt. "Wo sich die Harmonia axyridis ausbreitet, müssen die anderen weichen."
Wissenschaftler der
Biologischen Bundesanstalt befürchten, dass sich dieser „Neuankömmling“ aufgrund seiner Lebensweise und seiner hohen Vermehrungsrate auch in Deutschland rasch ausbreiten wird. Einige heimische
Marienkäfer-Arten, von denen es rund 80 Arten in Deutschland gibt, könnten durch ihn langfristig verdrängt werden.
Die Plage - Der Wein
Ein besonderes Problem stellt der Marienkäfer für die Weinwirtschaft dar. Gerade zur Weinlesezeit verbringen die Marienkäfer die Nacht im vor Witterungseinflüssen relativ geschützten Bereich der Weintrauben.
Gelangen die Marienkäfer im Zuge der Weinlese mit in den Verarbeitungsbereich, so geht deren
Hämolymphe mit in die
Maische oder
Most über. Dies kann zu beträchtlichen Einbußen hinsichtlich der Weinqualität führen. 1,7 Käfer auf ein Kilo Rieslingtrauben schmeckt man schon.
Als Hauptgeruchskomponente, die der Hämolymphe des Marienkäfers entstammt, konnte mittlerweile die Substanz 2-Isopropyl-3-methoxypyrazin (IPMP) identifiziert werden.
Noch ist den französischen Winzern das Los erspart geblieben. Allerdings stehen die asiatischen Käfer nur noch rund hundert Kilometer vor Bordeaux.
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